Windows 95 Netzwerkgrundlagen

Windows 95 verfügt über eine integrierte Client- und Server-Netzwerkuntersützung mit robusten 32-bit Treibern für eine Vielzahl von Netzwerken, Netzwerkkarten, Netzwerkprotokollen und Netzwerkdiensten. Dadurch erübrigen sich in den meisten Fällen Netzwerk-Zusatzprogramme und die Bedienung wird vereinfacht.

In unserem Umfeld von Bedeutung und standardmäßig installiert werden:

  • Microsoft Client für Novell-Netzwerke, NDS- oder Bindery-Modus über das Protokoll IPX
    Damit ist eine Verbindung zu Novell-NetWare Servern Version 3.x oder 4.x in analoger Weise wie unter MS-DOS oder Windows 3.x mit der Novell-Client-Software NETX-Shell bzw. VLM-Client möglich. Sämtliche 16-bit Schnittstellen (APIs) von NETX bzw. VLM sind nachgebildet, so daß fast alle NetWare-Dienst- und Anwendungsprogramme auch unter Windows 95 wie gewohnt funktionieren.
    Beachten Sie bitte: In unserem Datennetz wird für das Protokoll IPX der FrameTyp Ethernet_II benutzt.
  • Microsoft-TCP/IP-Protokoll
    Über das TCP/IP-Protokoll weder TELNET, FTP, HTTP (WWW-Zugriff) , POP3-Mail sowie andere elementare Netzwerkdienste abgewickelt. Die Kommunikation wird über die hardwareunabhängige genormte Schnittstelle "BSD Socket API for Windows" WINSOCK.DLL (16bit) bzw. WSOCK32.DLL (32 bit) abgewickelt.
    Beachten Sie bitte: In unserem Datennetz werden die für das TCP/IP-Protokoll benötigten IP-Adressen automatsich über DHCP bezogen. Eine eigenmächtige manuelle Vergabe von IP-Adressen ist unzulässig.
  • Microsoft Client für Microsoft--Netzwerke über das Protokoll TCP/IP
    Damit ist eine Verbindung zu UNIX-Rechnern (mit NT-Emulation "Samba") und Windows-NT-Servern sowie eine peer-to-peer Kommunikation mit anderen PCs unter Windows für Workgroups (3.11), Windows 95 oder Windows NT möglich.
    Beachten Sie bitte: Für UNIX, Windows 95 und Windows-NT wird bei uns ausschließlich das Protokoll TCP/IP benutzt. Von der bei uns früher verwendeten Kommunikation mit Windows für Workgroups über das Protokoll IPX raten wir ab. Wenn Sie die peer-to-peer Netzwerkfunktionaltität von Windows nutzen möchten, sollten Sie auf Windows 95 umstellen.

In den Eigenschaften der Netzwerkumgebung (Symbol auf dem Desktop) sind sämtliche Parameter der Netzwerkkonfiguration festgelegt. Weil bestimmte Einstellungen kritisch sind und im Fehlerfall andere Benutzer im Netzwerk gestört werden können, werden diese Daten bei der Windows 95 Installation mit W95INST vom Systemadministrator fest vorgegeben. Sie selbst dürfen nur bestimmte zusätzliche Dienste installieren und auch hier müssen Sie Vorgaben beachten.

In der "Netzwerkumgebung" sind sämtliche über das Netzwerk erreichbare Ressourcen (Server-Plattenbereiche, Netzwerkdrucker, Netzwerk-CDROM-Laufwerk, Netzwerk-Faxgeräte usw.) zusammengefaßt, genauso wie der "Arbeitsplatz" sämtliche lokal auf Ihrem Rechner verfügbaren Ressourcen (Diskettenlaufwerk, CDROM-Laufwerk, Festplatte, Drucker usw.) umfaßt.

Die "Netzwerkumgebung" stellt quasi eine Erweiterung Ihres "Arbeitsplatzes" dar. Wenn Sie die Methoden zur Verwaltung Ihres Arbeitsplatzes beherrschen, können Sie dieselben auf die "Netzwerkumgebung" anwenden. Es müssen nur wenige Begriffe hinzugelernt werden, die es zum großen Teil auch unter MS-DOS bzw. Windows 3.x schon gab.

  • Netzwerkressourcen werden von sogenannten Servern bereitgestellt. Geräte, welche diese Ressourcen nutzen, sind die sogenannten Clients. Um auf Netzwerk-Ressourcen zuzugreifen, muß man sich an den entsprechenden Servern anmelden ("einloggen" ist eine andere Bezeichnung dafür). Dafür ist in der Regel ein Benutzername und ein zugehöriges Paßwort (häufig als "Account" bezeichnet) erforderlich, um den Zugangsschutz zu gewährleisten.
    Hinweis: Im NDS-Modus von Novell-NetWare brauchen Sie sich nur eimnal - beim Start von Windows 95- am Novell-Netzwerk anmelden und haben damit Zugang zu allen Novell-NetWare-Ressourcen, auf die Ihnen vom Netzwerkadministrator und ggfls.von anderen Benutzern Rechte erteilt wurden.
    Denken Sie daran, daß Netzwerkressourcen über das Internet weltweit zugänglich sein können und der Benutzername und das zugehörige Kennwort in der Regel der einzige Schutz gegen unberechtigten Zugang sind.
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  • Für Netzwerkressourcen werden unter Windows 95 die für alle Server-Plattformen einheitlichen UNC-Namen verwendet. Es ist dies eine Erweiterung der auf dem Arbeitsplatz (lokal) benutzten Pfade. Im Netzwerkbereich gibt es keine Laufwerksbuchstaben (diese würden auch nicht ausreichen), die UNC-Namen beginnen statt dessen immer mit einem Doppel-Rückwärtsschrägstich, gefolgt von Server und Volume-Name (Novell-Bindery-Modus), spezieller NDS-Bezeichnung (Novell-NDS-Modus) bzw. Maschinen und Freigabenamen (Microsoft) und dann den üblichen Ordnern bzw. Dateien, jeweils getrennt durch den einfachen Rückwärtsschrägstrich. UNC-Namen werden auch für Netzwerkdrucker und andere Netzwerkgeräte verwendet.
    Beispiel: Unser Softwareserver SATURN1 hat im NDS-Modus den UNC-Namen \\$NDS\.SATURN1_SYS.public.uni-regensburg.de
  • Wenn Sie mit dem Explorer oder der Netzwerkumgebung arbeiten, können Sie sich auch ohne Kenntnis dieser Namen von "außen", d.h. vom gesamten Netzwerk bis nach "innen", d.h. zu den benötigten Ressourcen (Dateien, Drucker usw.) einfach durch Aufklappen der entsprechenden Ordner durchtasten.
  • Netzwerkressourcen können lokalen Laufwerksbuchstaben (z.B. F:) bzw. lokalen Gerätenamen (z.B. Drucker LPT1:) zugeordet werden. Eine andere Bezeichnung dafür ist "mapping". Solche Zuordnungen vereinfachen den Zugriff auf häufig benötigte Netzwerkressourcen. Sie finden diese "zugeordenten" Ressourcen dann - ebenso wie die lokalen Ressourcen - im "Windows-Arbeitsplatz". Beim Anmelden an das Netzwerk (d.h. beim Starten von Windows 95) können vom Netzwerkadministrator durch ein Anmeldeskript (Loginskript) bestimmte Zuordnungen voreingestellt werden. Man kann Zuordnungen aber auch auf dem lokalen PC "permanent" speichern, so daß sie beim nächsten Einschalten wiederhergestellt werden.
    Hinweis: In unserer Novell-Netzwerkumgebung werden durch das Anmeldeskript folgenden Zuordnungen eingestellt: Laufwerk F: System- und Anwendungssoftware (schreibgeschützt), Laufwerk G: Benutzerarbeitsbereich (Homedirectory).
  • Auf Netzwerk-Plattenbereichen (Netzlaufwerken) und sonstigen Netzwerkgeräten ist der Zugriff durch Benutzerrechte des zugrundeliegenden Netzwerkbetriebssystems geregelt. Auf lokalen Laufwerken und Geräten (Arbeitsplatz) unter Windows 95 habe Sie alle Zugriffsrechte, beispielsweise können Sie Dateien und Ordner erzeugen, kopieren, löschen und haben Einblick in alle Dateien und Ordner. Auf Netzlaufwerken haben Sie dagegen fein gestuft bis herab auf Dateiebene nur ganz bestimmte Rechte, z.B. nur ansehen, lesen oder lesen und schreiben, so wie Sie Ihnen von der Person, welche die Dateien bzw. Order auf einem Netzlaufwerk (Netzwerksserver) eingerichtet hat, zugeteilt wurden.
    Hinweis: Die Rechtevergabe für Novell-NetWare-Ressourcen muß mit NetWare-Tools, z.B. mit dem Kommando RIGHTS (bei NetWare 4.x) erfolgen.
  • Die Benutzerrechte auf Netzlaufwerken sind an den persönlichen Netzwerkanmeldenamen gekoppelt. Ein anderer Benutzer kann beispielweise nicht auf Daten auf Netzlaufwerken zugreifen, auf die nur Sie eine Berechtigung haben.
  • Windows 95 sieht für Novell-Netzwerke leider keine Möglichkeit vor, diese Benutzerrechte im Explorer oder der Netzwerkumgebung auf dem Desktop anzuzeigen. Um diese Information anzuzeigen, müssen Sie Zusatzprogramme von Novell (z.B. NDIR) verwenden. Im Normalfall ist dies aber nicht unbedingt nötig, wenn Sie folgende Faustregel beachten: Auf Ihrem Homedirectory (Benutzerbereich, standardmäßig dem Laufwerk G: zugeordnet), haben sie wie auf der lokalen Platte alle Rechte, auf anderen Netzlaufwerken, die Sie einsehen können, normalerweise nur Leserechte.
  • Lange Dateinamen werden nicht auf jedem Netzlaufwerk unterstützt. Bei Novell-NetWare-Fileservern benötigt man dafür den OS/2-Namespace. Sind lange Namen auf einem bestimmten Netzlaufwerk nicht zulässig, erhalten Sie eine Fehlermeldung und können den Namen dann korrigieren.
    Hinweis: Der OS/2-Namespace ist bei uns auf allen allgemeinen Novell-Fileservern verfügbar.

Über das Netzwerk können vom Systemadministrator bestimmte Windows 95 Systemeinstellungen beeinflußt werden. In unserer Umgebung wird von diesen Möglichkeiten (Policies) zur Zeit nicht Gebrauch gemacht.


Wolfram Oestreicher, 21.1.1997